Schönes Programm

TCM: „Gesund bleiben“ statt „Gesund werden“.


„Gesund bleiben“ ist eine der hohen Künste, die ich gerne beherrschen möchte. Schon jetzt fühlt es sich wie eine Lebensaufgabe an, gewohnte Muster dauerhaft umzustellen und den Geist zu trainieren den Körper gut zu nähren. Das ist kein Leichtes und nicht umsonst wurden chinesische Ärzte früher dafür bezahlt, ihre Kunden „gesund zu halten“. Es wurde für die ärztliche Leistung kein Geld bezahlt, wenn die Patienten krank wurden und wieder gesund gemacht wurden.

Peter und ich haben diese Woche das Seminar „Burnout & Ernährung“ am Shambhala Burnout Institut besucht. Ernährungsberaterin Andrea Kainz  hat berichtet, wie wir unseren Körper durch Ernährung nach der Traditioneller Chinesischer Medizin (kurz TCM)  stärken um den täglichen Anforderungen im Berufs- und Privatleben gerecht zu werden. Der Geist braucht einen gesunden Körper. Und der Körper weiß nicht selbst was er braucht, sondern der Geist muss ihn nähren.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) basiert auf den Prinzipien des „fließenden Qi“ – der Lebensenergie –  und von Yin und Yang sowie auf der Lehre der fünf Elemente der klassischen chinesischen Philosophie. Sie nimmt wegen ihres ganzheitlichen Ansatzes und ihres vorbeugenden Behandlungskonzepts einen wesentlichen Platz in der Ergänzung und Erweiterung der westlichen Medizin ein – beispielsweise in der Behandlung chronischer Krankheiten.“

Auch die Ernährung in der TCM folgt den 5 Elementen. Zu Beginn des Seminars haben wir diese Elemente kennengelernt. Alle Elemente sind durch den Schöpfungszyklus verbunden, wirken auf ganz bestimmte Organe und sind durch Stimmungslagen positiv als auch negativ beeinflussbar. Zum Beispiel das Element Holz steht für Leber und Galle. Ist dieses Element nicht im Einklang, dann kann das Kopfschmerzen, Migräne, Tinitus, Allergien oder Nackenschmerzen verursachen. Wut, Zorn, Anspannung und Eifersucht schwächen dieses Element, hingegen Kreativität und Flexibilität zahlen darauf ein. Zu den 5 Elementen gibt es noch viel mehr zu entdecken, war jedoch nicht Schwerpunkt unseres Seminars.

Zum Thema Burnout eine gute Nachricht: Meist ist jener Zustand, der allgemein als Burnout beim Namen genannt wird, kein „echtes Burnout“ „lediglich“ ein (schlimmer) Erschöpfungszustand. Ein Burnout jedoch lässt sich auch neurologisch feststellen und es erfordert eine intensive Therapie aus Medikamenten, Psychotherapie, TCM, Ernährungsberatung und energetischer Bewegung wie Yoga, Taiji undQuigong um wieder auf die Beine zu kommen. Der Mensch muss sich wieder wohlfühlen.

Um gesund zu bleiben, gilt es sich nicht nur „gut“ zu ernähren. Wir ziehen Energie aus der Atmung (Atemübungen lernen! Siehe unten einen kleine Atemübung), guter Ernährung, gutem Schlaf (Achtung: Schlafstörungen!), Licht und Bewegung an der Luft. Zum Wohlbefinden gehört nicht nur das gute Essen, sondern sich auch mit dem Kochen damit auseinanderzusetzen. Nach TCM fliegen Mikrowelle und Eiskasten aus der Küche. Ein interessanter Aspekt der TCM widerspricht vielen Meinungen aus der westlichen Küche „Kurz kochen, damit das Gemüse knackig und die Vitamine drin bleiben“ ist: Lange Kochen! Je länger gekocht wird umso mehr Energie ist im Essen. Eine Gemüsesuppe darf schon mindestens zwei Stunden auf dem Herd stehen und köcheln! Vitamine spielen in der TCM ohnehin keine Rolle, es erfolgt eine thermische Einteilung der Nahrungsmittel. Vitamin C ist zum Beispiel nur notwendig, wenn zu viel Kälte im Körper herrscht wie bei einer Fiebererkrankung.

Zur Ernährung: ganz laienhaft ausgedrückt geht es darum „die Hitze“ als auch „die Feuchtigkeit“ zu harmonisieren. Stress und Zeitdruck füttern das Feuerelement und bringen noch mehr Hitze in den Körper. Sonst leben wir auf Kosten unserer Essenz, jener Lebenskraft, die unsere Eltern uns mitgegeben haben und die wir als teuren Schatz hüten müssen um ein langes Leben in einem gesunden Körper zu führen. Wir brauchen Nahrungsmittel, die unserem Körper Kraft geben wie Fleisch und  Fisch. Andrea Kainz hat beobachtet, dass sich die Anzahl der Vegetarier unter den Burnout-Patienten häuft, weil diese sich lange Jahre zu wenig Energie zugeführt haben. Aber Achtung: Die Änderung der Ernährung ist ein psychischer Eingriff! Liebevoll damit umgehen!

Diese Empfehlungen für eine gute Ernährung nach der TCM möchte ich mit dir teilen*:

Zur Ernährungsweise:

  • Wir folgen diesen Prinzipien: regelmäßig, mäßig, langsam, lauwarm, gekochtes essen.
  • Dafür Zeit nehmen und gut kauen.
  • Neutral (das heißt nicht fad!) essen, keine extremen Geschmäcker – die Asiaten selbst essen nur deswegen scharf um zu desinfizieren, aber das brauchen wir Luxus-Europäer nicht.
  • Mikrowelle und Eiskasten fliegen raus, genauso wie Alkohol, Salziges und Süßes *schnief*
  • Das war’s schon, nicht ganz … 🙂

Zum Kochen:

  • Wir kochen selbst. Good bye, Fertigprodukte!
  • Es darf mehr gekocht werden um einige Tage mit dem guten Essen auszukommen. Ich koche ein, um so oft wie möglich selbst gekochtet geniessen zu können. So funktioniert’s. Das Essen darf auskühlen, jedoch maximal im Kühlschrank aufbewahrt werden, nicht im Eiskasten. Das Aufwärmen auf dem Herd oder im Rohr ist kein Problem. Hier ein Klassiker zum Einkochen: Kartoffelgulasch.
  • Wir dünsten, braten und backen im Rohr.
  • Je länger gekocht wird umso mehr Energie ist im Essen.
  • Zwischen den Mahlzeiten soll eine Zeitspanne von 4 – 5 Stunden liegen.
  • Pro Tag soll mindestens 3 x gegessen werden!

Zu den Lebensmitteln:

  • Die Einteilung der Lebensmittel erfolgt ebenfalls nach den 5 Elementen. Zum Beispiel Schweinefleisch wirkt befeuchtend und ist gut für alte Menschen.
  • Die richtigen Lebensmittel bauen Essenz auf! Kraft geben Eier und Fleisch (insbesondere rotes Fleisch). Unter den Gemüsesorten Kraut, Karfiol und Kohl – alle drei jedoch lange kochen!
  • Ganz allgemein gilt: Kein rohes Obst oder Gemüse, diese werden immer gekocht!
  • Ernähre dich mit saisonalen und regionalen Obst- und Gemüsesorten! Im Winter werden keine Zucchini gegessen. Orangen sind ohnehin für unsere österreichischen Körper nicht notwendig.
  • Auch im Winter keine Südfrüchte essen! Die kühlen in der ohnehin schon kalten Jahreszeit noch weiter runter. Auch kalte Salate sind tabu. Gekochtes Gemüse hingegen bringt Wärme. Optimal sind zum Beispiel Krautsalate und Rote Rüben Salat.
  • Broccoli ist eines jener Lebensmittel, welches immer mehr Energie bekommt, je länger es gekocht wird.
  • Kartoffeln sind „feucht“, zu viel Feuchtigkeit verschleimt den Körper. Die optimale Zubereitungsart ist zum Beispiel Kartoffelspalten im Rohr mit ein bisschen Rosmarin und Kümmel backen. Ein Kartoffelpüree hingegen bringt noch mehr Feuchtigkeit.
  • Zwiebeln und Knoblauch eher vermeiden.
  • Hülsenfrüchte geben wenig Energie. Hülsenfrüchte optimalerweise mit Bohnenkraut würzen.
  • Soja und Tofu sind extrem kalte Lebensmittel, besser darauf verzichten!
  • (Kuh)-milchprodukte weglassen, diese verschleimen den Körper. Hat die Zunge einen weißen Belag? Dann ist es schon so weit. Insbesondere keine Fruchtjoghurts oder Actimel! Besser Ziegenmilch als Kuhmilch verwenden.
  • Für mich eine sehr schlechte Nachricht: Käse ist böse (Verschleimung!) und wird weggelassen. Schaf- und Ziegenkäse ist in Ordnung, auch in gekochter  Form.
  • Kohlenhydrate sind generell schlecht zu verdauen. Statt auf Nudeln auf verschiedene Getreidesorten wie Hirse, Reis, Hafer, Kinoa, Bulgur, Buchweizen oder Gerste setzen. Bei Hautkrankheiten überhaupt auf Nudeln verzichten!
  • Brot ist wie die Kartoffel feucht! Gut sind Toast und Knäckebrot, die keine Feuchtigkeit mehr haben.
  • Anbraten braucht nicht nur Öl, denn das Fett lässt die Hitze steigen. Wir verwenden stattdessen eine Kombination aus Wasser und Öl. Keine kaltgepressten Öle. Hervorragend sind hochwertige Sonnenblumen- und Olivenöle.
  • Übrigens: 2 Kaffee pro Tag sind in Ordnung. Idealerweise kurze, schwarze!

Die perfekte Suppe!

  • Suppen sind immer erlaubt – als Frühstück als auch als Abendessen.
  • Eine gute Suppe enthält gekochtes Gemüse insbesondere Wurzelgemüse, Getreide  und Gewürze wie Majoran oder Kümmel.
  • Das Getreide immer ohne Fett trocken rösten und nicht – wie meist in Rezepten vorgeschlagen – waschen. Besser das Kochwasser während des Kochens gegen frisches heißes Wasser tauschen.
  • Empfohlen sind zum Beispiel eine Rote Rüben Suppe mit Kraut oder eine Rollgerstensuppe. Hier einige meiner Lieblingsrezepte: Gemüsekraftsuppe Tom Ka Gai Minestrone und Bärlauchsuppe. Und der Extra-Tipp: Lifehack gegen die Fast Food Falle.

Zu den Mahlzeiten: Frühstücken darfst du wie ein Kaiser!

Zum Mittagessen: Fleisch auf den Teller!

  • Empfohlen ist 3 x pro Woche Fleisch und 1 – 2 x pro Woche Fisch zu essen.
  • Gekochtes Gemüse – am besten 3 verschiedene Sorten – sollten immer dabei sein, ebenso wie regelmäßig Pilze.
  • Meeresfrüchte und Muscheln vermeiden, diese machen Hitze.

Am Abend: Dinner cancelling ist gesund!

  • Dann hat auch der Darm während des Schlafs frei und kann sich gut erholen.
  • Nach 18 Uhr sollte gar nicht mehr gegessen werden, wenn dann eine Suppe.

Das Naschen: Ein bisserl was geht immer.

  • Wenn das Naschen für dich ganz wichtig ist, dann sollte man direkt nach dem Mittagessen in die Schokolade greifen.
  • Besser sind Datteln. Reiswaffeln sind auch erlaubt.

Sich selbst helfen.

  • Wer nach dem Essen immer sehr müde ist, der sollte zumindest eine Zeitlang auf Trennkost setzen.
  • Wer nicht schlafen kann: Ein Glas Milch mit Honig ist auch im TCM eine Wunderwaffe, genauso wie Melissentee oder Passionsblütentee, die ebenfalls beruhigen.
  • Pfefferminztee kann gut gegen Anspannung getrunken werden.
  • Zur Entspannung kannst du dir folgenden Hilfstee in der Apotheke zusammenstellen lassen: 6 g Melisse, 6 g Johanniskraut (Achtung senkt Schutz der Haut vor Sonne!), 3 g Lavendel und 3 g Pfefferminz. Bei großer Erschöpfung Pfefferminzanteil erhöhen! Je nach Geschmack können Löwenzahn, Kamille und Süßholz beigefügt werden.

Übungen & Rezepte, die ich mitgenommen habe:

  • Rezept für ein gutes süßes Frühstück: 2 Esslöffel Haferflocken ohne Fett anrösten (Feuchtigkeit vertreiben) und mit kochendem Wasser bodenbedeckt aufgießen. Gewürze nach Geschmack zB Zimt und zerkleinertes Obst hinzufügen. Gemeinsam köcheln lassen. Wer zu Verstopfung neigt, gibt noch eine zerkleinerte, getrocknete Zwetschke hinzu. Auch spitze sind zerkleinerte Nüsse sowie Honig oder Sirup zum Süßen.
  • Rezept für ein gutes saures Frühstück: Statt Wasser mit Suppe aufgießen (gesunde Suppenwürfel gibt’s zB bei DM!) und statt Obst Wurzelgemüse hinzufügen.
  • Eine kleine Atemübung: Durch die Nase einatmen, Bauch rausstrecken, kleine Pause einlegen, langsam und tief ausatmen, kleine Pause einlegen und dem nächsten Impuls zum wieder einatmen folgen. Übung wiederholen.

Soviel zu meinen ersten TCM Erkenntnissen rund um eine gute Ernährung. Ich fühle mich jetzt mit genügend Vorwissen gewappnet um das Buch von Eva-Marie Wolkenstein (meine TCM-Obermeisterin!) mit dem Titel „Was ernährt und wirklich? erschienen im Facultats Verlag zu lesen. Außerdem möchte ich die Prinzipien des guten Kochens lernen. Ich interessiere mich ganz besonders für Kraftsuppen, denn ich bin ein Suppenkasper 🙂 Ich freue mich über eure Erkenntnisse zur guten Ernährung!

Zu guter Letzt: *[DISCLAIMER] Ich bin nicht in TCM ausgebildet und teile hier nur meine Erkenntnisse aus dem oa. Seminar. Dieser Blogeintrag ist ganz bestimmt durch meine persönliche Meinung gefärbt. Missverständnisse meinerseits sind außerdem absolut nicht ausgeschlossen!

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4 Kommentare zu „TCM: „Gesund bleiben“ statt „Gesund werden“.

  1. cool! danke für den Einblick 🙂
    …nachdem wir uns sowben von einem chinesischen Arzt „behandeln“ lassen… war mir jetzt der derzeitige Ernährungsplan nicht so klar…. zumindest hoffe ich auf „derzeitig“, denn ich bzw wir wissen gar nicht was wir nun wirklich essen sollen… und dann frag ich mich noch, ob wir wirklich keine Vitamine brauchen?!?!? ich werde mir evtl das Buch kaufen, welches du beschrieben hast… was ist eigentlich dein Resümee darüber? 🙂

    1. Hallo Daniela, danke für deinen Eintrag! 🙂 Ich finde es spitze, dass du dich mit dem Thema beschäftigst und Ernährung ist aus meiner Erfahrung ein ganz wesentlicher Baustein um gesund zu bleiben. Und damit auch ein sehr individuelles Thema. Ich kann dir daher sehr empfehlen zu einer TCM Ernährungsberatung zu gehen. Solltest du in Wien sein, kann ich dir sehr Kathi von http://www.ganzherzlich.at ans Herz legen. Das Buch von Frau Dr. Wolkenstein ist auch spitze, aber dient eher dem Nachschlagen. Alles Gute!

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